Von grauer Theorie zur rosa Praxis

was ist der unterschied, unter dem aspekt der diskriminierung, zwischen einem schwulen und einer lesbe ?
eine kleine und (zugegeben) oberflächliche analyse (die schon hier im ansatz für innerliche aufregung sorgt) der anfeindungen gegenüber homosexuellen zeigt, dass schwule männer viel offensiver aggressionen ausgesetzt sind als homosexuelle frauen. lesben scheinen durch ihre von den patriarchiaten zugesprochene leidenschaftliche unvollständigkeit keine gefahr für männliches begehren zu sein. stattdessen werden sie opfer einer relativ neu konstruierten sexuellen spielwiese – der wichsvorlage für den potenten heterosexuellen mann, der es in seiner phantasie sogar mit 2 frauen aufnehmen kann und das, obwohl beide schon miteinander leidenschaftlich-erotisch aktiv sind.
auf der anderen seite scheint ein schwuler mann dem heterosexuellen mann in seinen verdrehten gehirnwindungen zu suggerieren, er würde allein durch seine existenz zum passiven objekt, statt wie er sich selbst denkt: als aktives subjekt. da sex offenbar von ihm nur als kategorie der binären dynamik gedacht werden kann, scheint ihm der einzige ausweg aus der von ihm empfundenen effeminiesierung und der damit einhergehenden erniedrigung, in der zurückeroberung seiner männlichkeit durch die vergewaltigung am schwulen mann.
da einem solchen handeln glücklicherweise praktikable schranken gesetzt sind, bleiben ihm nur verbale penetrationen, die in der gutbürgerlichen gesellschaft ignoriert oder bestenfalls mit einem kopfschütteln aufgrund der unerhörten grobheit derlei auf der straße zu äußern, bemerkt werden
scheinbar müssen wir quasi dankbar sein, dass es so etwas wie sitte gibt, auch wenn sie nur auf höflichkeiten basiert und bei denen der schuldige sich im schwulen manifestiert, der eben wie die frau im minirock es offenbar darauf angelegt hat beschimpft und sexuell belästigt zu werden. homophobie tritt gerade dann zu tage, wenn homosexuelle nicht auf ihr wesen verzichten wollen und gerne dem klischee entsprechen wollen. diese furchtbarkeit ist nicht nur in der alltagsgesellschaft verankert, auch die gutmenschliche linke sitzt seinen internalisierten homophobien auf und zieht es vor, jenen die radikal offen ihre sexualität präsentieren ein „QueerSchild“ vorzuhalten, die nichts anderem dient, als offenkundige homosexualität zu verstecken, indem sie sich anzupassen hat mit der bitte keine homophoben klischees zu reproduzieren und homos, die sich trotz der täglichen beschimpfungen dazu entschlossen haben mutig, rosa und tuckig durch die welt zu laufen und sich zu zelebrieren.
natürlich ist jede identität ein konstrukt, (aber wir müssen uns das wirklich nicht von menschen sagen lassen, die queer als aufwertung ihrer langweiligen heterosexualität verstehen und den echten opfern ihre diskriminierung absprechen wollen, indem bahauptet wird homosexualität sei quasi nicht real..) doch wo soll emanzipation ansetzten, wenn nicht da, wo eine identiät vorhanden ist ? jede politische arbeit braucht eine grundlage und neben aller theorie gibt es eine reale welt in der homos diskriminiert werden und das ist unser ansatzpunkt ! queer ist eben auch die freiheit sich als homosexuell zu definieren ! unser anliegen ist es ein gegengewicht zu setzen zur alltagskultur.
also halt´s maul, “Michel Queerfaschist” und alle, die sich dem problem nicht bewusst sind, dass auch „Queer“ homophob ausgelegt werden kann und es ständig so ausgelegt wird. zwischen Queerem Phantasma und der gesellschaftlichen realität tut sich ein abrgund auf, der nicht einfach wegzuleugnen ist.
und auch wenn es nicht in euren kopf geht, dass irgendwer, ausser euch selbst, denken kann: wir haben unter allen identitäten die homosexuelle als die richtige für uns befunden! ganz alleine und ohne dass uns das wer vorgeschlagen hat.
mit den reproduziertesten und tuckigsten grüßen, nehmt´s nicht zu schwer, eure RAdIcaL HomOS.