Lesbischer Sex

„Schulmädchen die sich aneinander reiben“, aktiv-passiv Dualismus…und Sonst?! Vorurteile über lesbischen Sex:

Da wir in uns in einigen unserer Beiträge/Videos, bspw. die gestern auf dem AntiFee in Göttingen liefen, auf Schwulen Sex fokussiert haben, möchte ich unsere Diskussionen nun um einen Beitrag über lesbischen Sex ergänzen:

„Die haben doch keinen richtigen Sex!“, „Die muss erstmal wieder von nem richtigen Mann gefickt werden!“ etc.: Wie lieben wir Homos (spez. Lesben) doch all diese netten Aussagen?!

Da Sexualität nun mal leider immer noch, vor allem von Heteromännern, dazu benutzt wird sich zu profilieren und andere Menschen unter sich zu stellen, sind Vorurteile in diesem Bereich, vor allem für FrauenLesben vernichtend!

Schauen wir uns einmal das Bild von lesbischem Sex in Jugendbüchern an, welche das Leben als junge Lesbe, bzw. das Coming-Out junger Mädchen thematisieren: Dort wird der Sex eher nur angedeutet bis gar nicht dargestellt, so ein Artikel von Madeleine Marti1 über Lesben im Jugendbuch. Die Körperlichkeit der Frauen wird nur bis auf eine Ebene, die in der Gegenwart Anderer „verträglich“ ist, dargestellt, es heißt weiter: „Küsse, […] die Frauen nehmen sich streichelnd in den Arm“. Dabei ist gerade für junge Frauen, die sich ihrer Homosexualität noch nicht sicher sind, oder sie verdrängen, die sexuelle Identitätsfindung anhand von Vorbildern sehr wichtig.

Die Darstellung von lesbischen, sexuellen Handlungen ist nicht nur in Jugendbüchern sehr eingeschränkt. In den meisten Filmen wird lesbischer Sex eher auch nur angedeutet bzw. eingeschränkt gezeigt (mal abgesehen von Filmen wie „Bound“ und natürlich „The L Word“, „pornographisches“ nicht mit inbegriffen). Die Frauen werden beim Entkleiden gezeigt und dann wird die Szene ausgeblendet oder es wird einfach nicht gezeigt wie die beiden Damen Sex haben! So kommen, meist Heteros, schnell zum „Schulmädchen-Vorurteil“, lesbischer Sex sei harmlos. Was lesbische Praktiken beim Sex betrifft bekommt Frau so kaum Einblicke und ist schnell verunsichert. Das Bild, dass lesbischer Sex harmlos sei, die Frauen nicht befriedigt werden und andere kluge Einfälle gibt es ja zu genüge. Dabei ist dieses Vorurteil offensichtlich eine Degradierung von lesbischem Sex auf eine Ebene, die für die heteromännliche „Konkurrenz“ nötig zu sein scheint um Reviergrenzen zu markieren (*strull*) und der Frauen welche sich der Rolle der devoten Sexpartnerin fügen und dort verharren.

Die obligatorische Zuweisung einer aktiven oder passiven Rolle beim Sex, die jeweils einer Frau zugeschrieben wird, ähnlich dem Vorurteil über Heterosex, scheint für viele Menschen nötig zu sein: Der Mann ist allein der aktive (penetrierende) Part. Diese Problematik, mal wieder ein weiterer Dualismus, den sie_er mittlerweile zu genüge kennt, ist ohnehin auch eine Weitreichende…Bspw. ist schwuler Sex in muslimisch geprägten Ländern nur insofern verboten, dass der Mann beim Sex nicht die passive Rolle übernehmen darf: Wenn er den aktiven Part hat, ist er „nicht schwul“. Der passive Part wird hier negativ konnotiert, wer passiv beim Sex ist begibt sich auf eine „niedere Stufe“, in die Rolle der Frau… somit wird seine Männlichkeit angezweifelt. Dieser allerorts verbreitete Männlichkeitswahn manifestiert sich eben auch beim Sex und wird ohne angezweifelt zu werden, übernommen und auf anderen (lesbischen) Sex angewandt. Eine allseits beliebte Frage von Heteros an Lesben: „Bist du der Mann im Bett oder deine (Sex)Partnerin?“

Das letzte verquere Bild was ich hier aufzeige ist das, welches lesbischen Charakteren in vielen FrauenLesben-Filmen zugeschrieben wird (jenseits von „The L Word“ natürlich). Nämlich eine aktive/ passive Rolle, in Form der Rolle der lesbischen Verführerin und ihrem Pendant, der Heterofrau, die verführt wird (Imagine Me&You, Aimee &Jaguar, Bound, Desert Hearts, etc.). Das Verführen, eine aktive Handlung, geht von der im Film von vorneherein als lesbisch identifizierten Frau aus. Die „Verführerin“ wird auch in vielen FrauenLesben-Filmen von der männlichen Hauptfigur als Schuldige dargestellt, die allein dafür verantwortlich ist die Heterobeziehung mutwillig zerstört zu haben und die vorerst Heterofrau „zur Lesbe gemacht“ zu haben (leuchtet ein liebe Leser_innen, wie eine virale Infektion :-D ). Ob dies jedoch von der Heterofrau selbst ausgeht, da denken homophobe, schwarz-weiss Denkende natürlich nicht dran!

Wir lassen uns Verleumdungen über unsre Sexualität, was in unsren Betten geschieht, nicht gefallen! Zum Ersten geht es niemanden etwas an wie oder wen wir vögeln und zum Zweiten schreien diese Verleumdungen und Stereotypen mal wieder nach einem Vorherrschen heterosexuellen männlichen Begehrens… IHR SEID SO LANGWEILIG und ERBÄRMLICH!

Quellen: Marti, Madeleine 1996 „Verliebtheit vorwiegend im Kopf“ in Forum Homosexualität und Literatur NO.26 und diverse Filme (siehe Text)