Archiv für Juli 2008

Von grauer Theorie zur rosa Praxis

was ist der unterschied, unter dem aspekt der diskriminierung, zwischen einem schwulen und einer lesbe ?
eine kleine und (zugegeben) oberflächliche analyse (die schon hier im ansatz für innerliche aufregung sorgt) der anfeindungen gegenüber homosexuellen zeigt, dass schwule männer viel offensiver aggressionen ausgesetzt sind als homosexuelle frauen. lesben scheinen durch ihre von den patriarchiaten zugesprochene leidenschaftliche unvollständigkeit keine gefahr für männliches begehren zu sein. stattdessen werden sie opfer einer relativ neu konstruierten sexuellen spielwiese – der wichsvorlage für den potenten heterosexuellen mann, der es in seiner phantasie sogar mit 2 frauen aufnehmen kann und das, obwohl beide schon miteinander leidenschaftlich-erotisch aktiv sind.
auf der anderen seite scheint ein schwuler mann dem heterosexuellen mann in seinen verdrehten gehirnwindungen zu suggerieren, er würde allein durch seine existenz zum passiven objekt, statt wie er sich selbst denkt: als aktives subjekt. da sex offenbar von ihm nur als kategorie der binären dynamik gedacht werden kann, scheint ihm der einzige ausweg aus der von ihm empfundenen effeminiesierung und der damit einhergehenden erniedrigung, in der zurückeroberung seiner männlichkeit durch die vergewaltigung am schwulen mann.
da einem solchen handeln glücklicherweise praktikable schranken gesetzt sind, bleiben ihm nur verbale penetrationen, die in der gutbürgerlichen gesellschaft ignoriert oder bestenfalls mit einem kopfschütteln aufgrund der unerhörten grobheit derlei auf der straße zu äußern, bemerkt werden
scheinbar müssen wir quasi dankbar sein, dass es so etwas wie sitte gibt, auch wenn sie nur auf höflichkeiten basiert und bei denen der schuldige sich im schwulen manifestiert, der eben wie die frau im minirock es offenbar darauf angelegt hat beschimpft und sexuell belästigt zu werden. homophobie tritt gerade dann zu tage, wenn homosexuelle nicht auf ihr wesen verzichten wollen und gerne dem klischee entsprechen wollen. diese furchtbarkeit ist nicht nur in der alltagsgesellschaft verankert, auch die gutmenschliche linke sitzt seinen internalisierten homophobien auf und zieht es vor, jenen die radikal offen ihre sexualität präsentieren ein „QueerSchild“ vorzuhalten, die nichts anderem dient, als offenkundige homosexualität zu verstecken, indem sie sich anzupassen hat mit der bitte keine homophoben klischees zu reproduzieren und homos, die sich trotz der täglichen beschimpfungen dazu entschlossen haben mutig, rosa und tuckig durch die welt zu laufen und sich zu zelebrieren.
natürlich ist jede identität ein konstrukt, (aber wir müssen uns das wirklich nicht von menschen sagen lassen, die queer als aufwertung ihrer langweiligen heterosexualität verstehen und den echten opfern ihre diskriminierung absprechen wollen, indem bahauptet wird homosexualität sei quasi nicht real..) doch wo soll emanzipation ansetzten, wenn nicht da, wo eine identiät vorhanden ist ? jede politische arbeit braucht eine grundlage und neben aller theorie gibt es eine reale welt in der homos diskriminiert werden und das ist unser ansatzpunkt ! queer ist eben auch die freiheit sich als homosexuell zu definieren ! unser anliegen ist es ein gegengewicht zu setzen zur alltagskultur.
also halt´s maul, “Michel Queerfaschist” und alle, die sich dem problem nicht bewusst sind, dass auch „Queer“ homophob ausgelegt werden kann und es ständig so ausgelegt wird. zwischen Queerem Phantasma und der gesellschaftlichen realität tut sich ein abrgund auf, der nicht einfach wegzuleugnen ist.
und auch wenn es nicht in euren kopf geht, dass irgendwer, ausser euch selbst, denken kann: wir haben unter allen identitäten die homosexuelle als die richtige für uns befunden! ganz alleine und ohne dass uns das wer vorgeschlagen hat.
mit den reproduziertesten und tuckigsten grüßen, nehmt´s nicht zu schwer, eure RAdIcaL HomOS.

homosexueller knigge

1. du darfst ruhig „schwul“ oder „lesbisch“ sagen, denn auch wenn vor allem dumme menschen ersteres als synonym für „scheisse“ benutzen, sind diese bezeichnungen keine schimpfworte, sondern lediglich die bezeichnung einer sexuellen orientierung.

2. sexualität ist jedoch fliessend, d.h. es gibt auch menschen die eine zeitlang heterosexuell leben und später erst rausfinden, dass sie sich zum selben geschlecht hingezogen fühlen. mach dir also keine sorgen, dass du für immer in der heterofalle gefangen bist.

3. nicht jeden homosexuellen interessiert es, ob du auch schonmal mit nem mann oder ner frau geknutscht oder sogar geschlafen hast (woooow). erwarte deswegen keine anerkennung. für homosexuelle ist ihre sexualität keine leistung sondern eine leidenschaft.

4. die allerwenigsten homosexuellen wollen mit dir ins bett. die meisten finden heteros aus verschiedensten gründen unattraktiv. viel wahrscheinlicher ist es, dass homosexuelle heterosexuellen anmachen und sexualisierten sprüchen ausgesetzt sind.

5. erzähl keine homowitze. wahrscheinlich haben homosexuelle die witze schon häufiger gehört und neben der gefahr, dass du eins auf die fresse kriegst, könntest du ihn oder sie einfach langweilen, denn andere können die witze sicher besser erzählen als du.

6. nicht alle schwulen sind stilikonen und nicht alle lesben handwerklich begabt, also verwirre sie nicht mit deinen erhofften ratschlägen, während du sie mit deinen klischees nervst.

7. homosexuelle sind keine opfer von schlechten heterosexuellen erfahrungen, also versuche sie nicht zu analysieren, zu heilen oder zu bekehren. lesbische frauen brauchen keinen guten fick mit einem mann und schwule keine titten. wenn du das glaubst, halt einfach lieber deine fresse und such dir einen eigenen psychoanalytiker, der mit dir über deine eltern spricht.

8. homosexuelle sind nicht logischerweise besonders sensibel was andere diskriminierungen angeht, also komm ihnen nicht mit betrachtungen a la „du als homo solltest doch nachvollziehen können..“, viel wahrscheinlicher ist es, dass sie auch gesellschaftlichen ausgrenzungsmechanismen und medienmeinungsmachereien unterliegen.

9. auch wenn es dich brennend interessiert, wie lesben oder schwule konkret sex haben, bitte belästige homos nicht mit deiner sensationsnotgeilheit. homos können nichts dafür, dass du so phantasielos bist und nicht alle homos haben die selben sexuellen vorlieben.

10. es ist zwar wahr, dass homos jahrhundertelang diskriminiert und verfolgt worden sind, dennoch wollen sie weder dein mitleid, noch beglückwünschungen zu den erfolgen der homobewegung, denn der kampf ist noch lange nicht vorbei und sie wollen keine sonderrechte, sondern die freiheit zu leben, wie alle anderen auch.

11. es ist nicht wahr, dass alle schwulen ständig wechselnde sexpartner haben und lesben nur feste beziehungen führen, also verschone sie mit deinen biologischen schlußfolgerungen.

12. auch wenn du als mann voll gut klar kommst mit deinen jungs, oder als frau mit deinen freundinnen, vergiß lieber deinen irrglauben, wenn du homosexuell wärst, wäre alles viel toller. nicht nur, dass du da voll auf dem holzweg bist, du nervst einfach mit so ner kurzgegriffenen überlegung. offensichtlich suchst du gerne einfache ausflüchte.

(frei nach Michael Wuliger)

ein herz für heten

Ein Herz für Heten

der zwangsheterosexualität der menschlichen gesellschaften muss beigekommen werden !
und wir stellen mit einer morbiden bewunderung fest :
die zwanghafte sozialisation und der manische verweis auf die biologie des menschen verantwortet ein einzigartiges, natürlich heterosexuelles phänomen – die aversion der heterosexuellen frau gegenüber dem penis und die analdoppelmoral des heterosexuellen mannes, was seinen eigenen anus betrifft.

ersteres offenbart den tiefen graben heterosexueller lust. wie, fragt man sich, ist es möglich den sexualisiertesten und erotischten teil des sexualpartners unästhetisch oder gar ekelerregend zu finden ? wie kann da ein erfülltes sexleben stattfinden ? sollte nicht das gegenteil der fall sein ? dieses phänomen lässt tief blicken, denn das große interesse homosexueller männer an diesen penissen wiederrum beweist: weder dem geschlechtsorgan, noch dem von ihm herausspitzendem sperma ist eine allgemeine determinierte hässlichkeit innewohnend. (entgegen der behauptung einer sexualberaterin im web: „Ein Pullermann an sich ist kein besonders ästhetisches Gebilde. Es gibt welche, die ganz okay aussehen, aber die meisten erinnern eher an Hühnerhälse, vergammelte Würstchen, riesengroße Warzen und dergleichen“)
dennoch, welche gründe frauen auch immer haben den penis abzulehnen, sie sollen es guten gewissens dürfen und einen weg aus der zwangsheterosexualität finden können, und den weg ebnen für jene, die penisse und von ihnen bespritzt zu werden, ihr sperma zu schlucken und zu schmecken, lieben !

zweiteres zeigt die maßlose, sexualmoralisch verwerfliche verschwendung erotischen potentials auf ! gerade die existenz der männlichen prostata birgt einen vollen reigen sexueller lustempfindungen; diese nicht erleben zu wollen, heißt vollkommene ignoranz der eigenen lust gegenüber, insbesondere wenn sie mit irrelevanten, irrationalen, homophoben, kindischen und verklärten männlichkeitsidealen zu begründen versucht wird und stattdessen versucht wird diese praktik frauen aufzuzwingen, denen eventuell gar nicht daran gelegen ist.

in diesem sinne propagieren wir nicht nur die abschaffung der verkrampften und unerotischen heterosexualität in unserem Interesse, sondern auch im namen aller zwangssozialisierten männer und frauen, damit die einen keine schwänze mehr lutschen müssen und es denen überlassen, die es besser können und wissen, und damit die anderen endlich großartigen analsex geniessen können !

Ein Herz für Heten, mehr Sex für Homos !

Lesbischer Sex

„Schulmädchen die sich aneinander reiben“, aktiv-passiv Dualismus…und Sonst?! Vorurteile über lesbischen Sex:

Da wir in uns in einigen unserer Beiträge/Videos, bspw. die gestern auf dem AntiFee in Göttingen liefen, auf Schwulen Sex fokussiert haben, möchte ich unsere Diskussionen nun um einen Beitrag über lesbischen Sex ergänzen:

„Die haben doch keinen richtigen Sex!“, „Die muss erstmal wieder von nem richtigen Mann gefickt werden!“ etc.: Wie lieben wir Homos (spez. Lesben) doch all diese netten Aussagen?!

Da Sexualität nun mal leider immer noch, vor allem von Heteromännern, dazu benutzt wird sich zu profilieren und andere Menschen unter sich zu stellen, sind Vorurteile in diesem Bereich, vor allem für FrauenLesben vernichtend!

Schauen wir uns einmal das Bild von lesbischem Sex in Jugendbüchern an, welche das Leben als junge Lesbe, bzw. das Coming-Out junger Mädchen thematisieren: Dort wird der Sex eher nur angedeutet bis gar nicht dargestellt, so ein Artikel von Madeleine Marti1 über Lesben im Jugendbuch. Die Körperlichkeit der Frauen wird nur bis auf eine Ebene, die in der Gegenwart Anderer „verträglich“ ist, dargestellt, es heißt weiter: „Küsse, […] die Frauen nehmen sich streichelnd in den Arm“. Dabei ist gerade für junge Frauen, die sich ihrer Homosexualität noch nicht sicher sind, oder sie verdrängen, die sexuelle Identitätsfindung anhand von Vorbildern sehr wichtig.

Die Darstellung von lesbischen, sexuellen Handlungen ist nicht nur in Jugendbüchern sehr eingeschränkt. In den meisten Filmen wird lesbischer Sex eher auch nur angedeutet bzw. eingeschränkt gezeigt (mal abgesehen von Filmen wie „Bound“ und natürlich „The L Word“, „pornographisches“ nicht mit inbegriffen). Die Frauen werden beim Entkleiden gezeigt und dann wird die Szene ausgeblendet oder es wird einfach nicht gezeigt wie die beiden Damen Sex haben! So kommen, meist Heteros, schnell zum „Schulmädchen-Vorurteil“, lesbischer Sex sei harmlos. Was lesbische Praktiken beim Sex betrifft bekommt Frau so kaum Einblicke und ist schnell verunsichert. Das Bild, dass lesbischer Sex harmlos sei, die Frauen nicht befriedigt werden und andere kluge Einfälle gibt es ja zu genüge. Dabei ist dieses Vorurteil offensichtlich eine Degradierung von lesbischem Sex auf eine Ebene, die für die heteromännliche „Konkurrenz“ nötig zu sein scheint um Reviergrenzen zu markieren (*strull*) und der Frauen welche sich der Rolle der devoten Sexpartnerin fügen und dort verharren.

Die obligatorische Zuweisung einer aktiven oder passiven Rolle beim Sex, die jeweils einer Frau zugeschrieben wird, ähnlich dem Vorurteil über Heterosex, scheint für viele Menschen nötig zu sein: Der Mann ist allein der aktive (penetrierende) Part. Diese Problematik, mal wieder ein weiterer Dualismus, den sie_er mittlerweile zu genüge kennt, ist ohnehin auch eine Weitreichende…Bspw. ist schwuler Sex in muslimisch geprägten Ländern nur insofern verboten, dass der Mann beim Sex nicht die passive Rolle übernehmen darf: Wenn er den aktiven Part hat, ist er „nicht schwul“. Der passive Part wird hier negativ konnotiert, wer passiv beim Sex ist begibt sich auf eine „niedere Stufe“, in die Rolle der Frau… somit wird seine Männlichkeit angezweifelt. Dieser allerorts verbreitete Männlichkeitswahn manifestiert sich eben auch beim Sex und wird ohne angezweifelt zu werden, übernommen und auf anderen (lesbischen) Sex angewandt. Eine allseits beliebte Frage von Heteros an Lesben: „Bist du der Mann im Bett oder deine (Sex)Partnerin?“

Das letzte verquere Bild was ich hier aufzeige ist das, welches lesbischen Charakteren in vielen FrauenLesben-Filmen zugeschrieben wird (jenseits von „The L Word“ natürlich). Nämlich eine aktive/ passive Rolle, in Form der Rolle der lesbischen Verführerin und ihrem Pendant, der Heterofrau, die verführt wird (Imagine Me&You, Aimee &Jaguar, Bound, Desert Hearts, etc.). Das Verführen, eine aktive Handlung, geht von der im Film von vorneherein als lesbisch identifizierten Frau aus. Die „Verführerin“ wird auch in vielen FrauenLesben-Filmen von der männlichen Hauptfigur als Schuldige dargestellt, die allein dafür verantwortlich ist die Heterobeziehung mutwillig zerstört zu haben und die vorerst Heterofrau „zur Lesbe gemacht“ zu haben (leuchtet ein liebe Leser_innen, wie eine virale Infektion :-D ). Ob dies jedoch von der Heterofrau selbst ausgeht, da denken homophobe, schwarz-weiss Denkende natürlich nicht dran!

Wir lassen uns Verleumdungen über unsre Sexualität, was in unsren Betten geschieht, nicht gefallen! Zum Ersten geht es niemanden etwas an wie oder wen wir vögeln und zum Zweiten schreien diese Verleumdungen und Stereotypen mal wieder nach einem Vorherrschen heterosexuellen männlichen Begehrens… IHR SEID SO LANGWEILIG und ERBÄRMLICH!

Quellen: Marti, Madeleine 1996 „Verliebtheit vorwiegend im Kopf“ in Forum Homosexualität und Literatur NO.26 und diverse Filme (siehe Text)