Homosexuellenfeindliche Anti-RaucherInnen-Werbung

hier, das video 1:
http://de-de.help-eu.com/pages/astuces-tipsoff-de1-3.html

Redebeitrag Feministische Demo in Göttingen am 04.06.2009

Zur Weiterführung des Feministischen Frühlings fand am 04.06.09 in Göttingen eine feministische Demo statt, die das antisexistische Festival „Antifee“ einleitete.
Hier unser Redebeitrag zur Demo:


Werte Homo-Genossinnen und –Genossen.
Liebe Trümmertransen, Kampflesben, Arschpiraten, Intersexen und Emanzen.
Liebe Mitperversen und -perversinnen.

Noch vor 65 Jahren wurden Schwule in Deutschland aufgrund ihrer sexuellen Orientierung umgebracht.
Der Paragraph 175 wurde in die postfaschistische Gesellschaft übernommen. Bis ins Jahr 1969 wurden unter dem Paragraph 175 schwule Männer in Zuchthäuser interniert. Erst am 11. Juni 1994 wurde der Paragraph aus dem deutschen Strafgesetzbuch gestrichen.
Vor 19 Jahren, am 17. Mai 1990 wurde Homosexualität von der Weltgesundheitsorganisation von der Liste psychischer Krankheiten gestrichen.

Und seit 1985 gibt es, angefangen mit der Lindenstraße, auch schwule und lesbische Schauspieler_innen im deutschen Fernsehen. Homosexuelle dürfen ganz legal ihre eigenen Demonstrationen und Paraden in großen Städten veranstalten. Und man sieht sogar ab und zu schwule und lesbische Pärchen Hand in Hand durch Fußgänger_innenzonen laufen.

Gerne würden wir verkünden, dass Homosexuellenfeindlichkeit offiziell abgeschafft ist.
Leider müssen wir diesem Irrglauben hiermit offiziell ein Ende setzen.

Trotz einiger Errungenschaften der Homosexuellenbewegung, die vor allen Dingen das Strafrecht betreffen, befinden wir uns in einer zutiefst patriarchalen und damit homosexuellenfeindlichen Gesellschaft.
Nicht gesetzliche oder medizinische Rahmenbedingungen sind alleine ausschlaggebend für das Erleben eines homosexuellen Alltags. Vielmehr sind es hegemoniale Diskurse und die Verfasstheit des postfaschistischen Deutschlands, in dem zunehmend religiöse und konservative Strömungen Zulauf finden.
Die nach wie vor marginalisierte Medienpräsenz von Schwulen und Lesben konzentriert sich auf verpartnerte Schwule, die ein bürgerliches Hetero-Spießerleben führen und auf Frauen, die sich aufgrund ihrer weiblich-emotionalen Veranlagung durchaus auch vorstellen können, mal mit ner Frau zu kuscheln.
Dies versteckt nicht nur alternative schwule und lesbische Lebensweisen, die sich einem monogamen, heterosexuell-angelehnten, affirmativen Lifestyle widersetzen. Hinter dieser Utopie eines toleranten und homo-freundlichen Deutschlands verschwindet auch die Alltagsrealität von Schwulen und Lesben.

Obwohl Homosexualität nicht mehr als Krankheit behandelt wird, gilt homosexuelles Verhalten bei Trans*menschen immer noch als pathologisches Persönlichkeitsmerkmal, das die Anerkennung ihres gewünschten Geschlechts verhindern kann.
Homosexuellen Männern ist es nach wie vor verboten, Blut zu spenden, obwohl jede einzelne Blutspende auf HIV kontrolliert wird.
Homosexuelle haben in einer Partnerschaft die gleichen Pflichten, allerdings nicht die gleichen Rechte wie Heterosexuelle Ehepaare.
Homosexuellen ist es nicht ohne weiteres möglich, ein Kind zu adoptieren. Es ist verboten, lesbischen Pärchen bei der so genannten Insemination, also einer künstlichen Befruchtung zu helfen!
Das Bundesland Bayern hat bis heute nicht offiziell das Entfernen der Rosa Listen bestätigt, einem Register in dem homosexuelle Personen, deren Umfeld und deren Treffpunkte gespeichert sind um bei Ermittlungen gegen sie als gesondertes Täterinnenspektrum vorzugehen!
In Deutschland gilt der so genannte Transvestitismus, also das Tragen von Kleidung, welche nicht zum so genannten biologischen Geschlecht passt nach wie vor als krankhaftes Symptom! Genauso werden Sado-Masochistische Sexpraktiken, Exhibitionismus, Voyeurismus und die Vorliebe für Fetischobjekte beim Sex als krankhafte Störungen der Sexualpräferenz klassifiziert!
Wie passt dies mit der Vorstellung einer so toleranten und modernen Gesellschaft zusammen?
Wie kann es sein, dass vor zwei Wochen in Marburg ein viertägiger homosexuellenfeindlicher christlich-fundamentalistischer Kongress stattfinden konnte? Dort referierten offene pathologische Homosexuellenhasser zum Thema Identität. Darunter Personen wie Christl-Ruth Vonholdt und Markus Hoffmann, Therapeutinnen der Ex-Gay-Bewegung, die davon überzeugt sind, dass Homosexualität die Ursache tiefer emotionaler Verwundungen und Traumata seien und dass Homosexualität heilbar sei?
Hier wird von offizieller Seite auf das Recht auf Meinungsfreiheit plädiert. Doch wir wehren uns gegen dieses Verständnis von Meinungsfreiheit, durch das selbst ernannten Homosexuellenheilern die Möglichkeit geboten wird, Schwule und Lesben zu terrorisieren und sie dazu zu bringen, ihre sexuelle Identität als krank anzusehen. Schwulen und Lesben, die sich in solchen Therapien, befinden wird es von diesen TherapeutInnen verboten, andere Einrichtungen aufzusuchen und jedes Problem ihres Alltags wird auf ihre homosexuellen Empfindungen zurückgeführt.

Wir machten uns mit mehreren Bussen auf den Weg nach Marburg um dort gegen diesen evangelikalen Spinner-Kongress zu demonstrieren. Auf dem Weg dorthin wurden wir von der Polizei angehalten, auf einen Parkplatz gelotst, wo uns PolizistInnen in voller Ausrüstung erwarteten. Sie durchsuchten jede einzelne Person von uns, ließen uns unverhältnismäßig lange warten, filmten uns und unsere Transparente, fotografierten uns, bewachten sogar unsere Toilettengänge und zeigten sich entsprechend respektlos gegenüber der uneindeutigen Geschlechtzugehörigkeit einiger unserer MitfahrerInnen.
Wir fragen uns noch heute: Was soll dieser repressive Mist außer Schikane? Welche Form der Redefreiheit ist es, Homosexuellenhassern ein Forum in Stadthalle und Universität zu bieten und die GegendemonstrationsteilnehmerInnen zu kriminalisieren, Ewigkeiten zu durchsuchen und durch blöde Sprüche wie „Stellt fest was es ist“ als es um das Geschlecht eines Teilnehmers ging, zu schikanieren?

Wir sagen NEIN zu dieser homosexuellenfeindlichen Art der Repression!
Deutschland ist nicht homosexuellenfreundlich! Bloße Lippenbekenntnisse, nicht homophob zu sein, reichen uns nicht!

Über ein Drittel der durch maneo befragten Homosexuellen in Deutschland wurden 2008 betroffen von homosexuellenfeindlicher körperlicher Gewalt. Die Anzahl der verbalen homosexuellenfeindlichen Übergriffe geht über diese zwei Drittel der Befragten hinaus. Drei viertel der Betroffenen gaben an, sich nicht getraut zu haben, die Polizei zu informieren. Eine große Zahl darunter aus negativen Erfahrungen damit in der Vergangenheit.
Doch nicht nur körperliche und verbale Gewalt muss zu den diskriminierenden Ausformungen einer zutiefst patriarchalen und dadurch homosexuellenfeindlichen Gesellschaft gezählt werden.
Bereits der Schritt, sich als Homosexueller outen zu müssen. Der Zwang, der auferlegt wird, sich durch Begriffe wie schwul oder lesbisch als Randfiguren einer heterosexuellen Gesellschaft auszuweisen, ist als Moment der gesellschaftlichen Unterdrückung nicht-heterosexueller Lebensformen zu bezeichnen.
Die einzige Möglichkeit, sich als Schwuler oder Lesbe gegen diese repressive Form der Stigmatisierung Homosexueller zu stellen, ist in unseren Augen, sich genau diese Kategorien, mit denen wir ausgegrenzt werden sollen, anzueignen und mit lesbischwulem Selbstbewusstsein zu sagen: Wir sind da, ihr könnt uns nicht ignorieren und wir scheissen auf Eure heterosexuellen Normen!

Solange auch nur eine homosexuelle Person noch dem Zwang des Outings gegenüber steht, solange auch nur eine homosexuelle Person mit dummen Anmachen konfrontiert wird, so lange kann der Kampf einer politischen Schwulen- und Lesbenbewegung nicht vorbei sein!

Wir zeigen uns solidarisch mit den Schwulen und Lesben, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierungen beschimpft, geschlagen und unterdrückt werden!
Wir lehnen die Berufung auf eine christliche oder muslimische Tradition, die in ihrem Kern homosexuellenfeindlich ist, entschieden ab!
Wir zeigen uns solidarisch mit allen Homosexuellen und Frauen, die in muslimisch geprägten Ländern Angst vor Steinigung, Verbrennen oder Erhängen haben müssen, nur weil sie ficken mit wem SIE es wollen!
Wir stellen uns gegen die Relativierung von homosexuellenfeindlichen Hinrichtungen in der ganzen Welt! Nur weil von unterschiedlichen kulturellen Hintergründen ausgegangen wird, bedeutet die Tötung Homosexueller aufgrund ihrer Homosexualität immer noch dasselbe!
Wir müssen uns solidarisch erklären mit jenen Schwulen, die trotz der Verfolgung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung kein akzeptables Bleiberecht in Deutschland zugesprochen bekommen und die Abschiebung in den Iran oder andere Länder, in denen Schwule umgebracht werden, fürchten müssen.
Jede Homosexuellenfeindlichkeit überall ist zu bekämpfen!

Wir rufen auf zur sexuellen Freiheit statt religiösem Wahn und kulturrelativistischer Beliebigkeit!
Kein Platz für Homosexuellenfeindlichkeit und Sexismus!
Für eine emanzipatorische Lesben- und Schwulenbewegung!
Freiheit allen Perversen!

Demobericht: 21.05.2009, Marburg

Demonstration gegen den homosexuellenfeindlichen „Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge“

Vorab vier kleinere und doch wichtige Infos:
1) Bilder findet ihr weiter unten.
2) Es gibt zwei Demoberichte. Der erste hier. Der zweite eins drunter.
3) Unser Demo-Redebeitrag befindet sich einen Blogeintrag unter den Berichten.
4) Der Gruppenname ist: „Radical Homos“. Nicht „Radicalhomos“ oder „Radikalhomo“ oder was auch immer. Und vor allen Dingen spricht man es englisch aus, und nicht „Radikaaaalhoomos“ (siehe: http://www.youtube.com/watch?v=Z0y1NcpP8_s) …

Hier Bericht Nr.1:

Zunächst wurde die Anfahrt durch die Polizei kurz vor Marburg verhindert. Man munkelte, es solle sich um eine Schikane handeln, die dazu führe, dass niemand mehr zur Demonstration kommen könne. Erstmal kam es dann durch die zahlreichen OrdnungshüterInnen zu eingehenden Leibesvisitationen. Man strich sacht, und doch kraftvoll über Arme, Oberkörper, Hintern, Oberschenkel, Kniekehle und bis zu den Fußzehen hinab. Immer Männer bei Männern und Frauen bei Frauen. Die Männer und Frauen in blau-schwarz mitsamt riesigen Gummi-Knüppeln musterten alle Anwesenden genau.
Der große Marsch des bundesweiten Bündnisses Radikaaaalhooomooss (siehe: http://aktion-kig.de/nachrichten/news_neu_322.html) schien geplatzt.
Doch plötzlich änderte sich die Stimmung. Die uniformierten Männer öffneten zunächst behutsam, dann schneller werdend kleine Knöpfe und Reißverschlüsse an ihren engen schwarzen Uniform-Lederhosen. Mit einem lauten Aufschreien rissen sie sich Teile ihrer Hosen vom Leib und standen vor uns: In Leder-Chaps, schrittfrei mit knopfbesetzten Lackstrings. Die uniformierten Frauen rissen sich ihre Helme vom Kopf, fassten sich aufstöhnend in den Schritt, konnten sich nicht mehr halten und fingen extatisch zu knutschen an.
Ja, es stimmt, wir sind für viele (sehr viele) Schweinereien zu haben. Und wirklich, es war verlockend: zügellosen homoerotischen Sex auf einem Parkplatz, ausgestattet mit allem was das uniform-lack-leder-knüppel-feschistische Herz begehrt, oder aber demonstrieren gehen? Wir dachten: Beides muss sich nicht ausschließen, aber dann lieber öffentlichkeitswirksam und nicht auf einem schnöden Parkplatz im Nirgendwo!
Also überließen wir die Leder-Daddys und Lack-Dykes ihrem frivolen Spiel und fuhren weiter zu Demonstration.

Endlich in Marburg angekommen, die Demo wartete dankenswerterweise, wussten wir: Wir hatten uns richtig entschieden! Die bundesweite Mobilisierung hatte Früchte getragen:
Perverse von überall her trieben es wild auf dem Bahnhofsgelände. Ebenso geschmacklos wie dieser Bericht wälzten sich Körper über Körper: wildgewordene Evangelikale hielten Holzkreuze in die Lüfte, wedelten wild damit umher: „SODOM UND GOMORRHA!“ Wir riefen: „JA!!“

Die rund 1000 Trümmertransen, Kampflesben, Arschpiraten, Intersexen, Straight-Actor, Tunten, Butches, Dykes, Drag Kings, Poppersschniefer, Fistfucker, Kaviarschmierer, Perversen und Femmes und Exhibitionisten und Fetischisten und Schwanzlutscher und Schwulensaunabesucher und Natursekt-Fans gingen gemeinsam lautstark gegen die christlichen Spinner, die ringsum standen, an. Einige der Christen wären uns gerne beigetreten… Allerdings, wie die Vereinigung Wüstenstrom e.V. so schön sagt „Sexualität ist für uns Christen ein notwendiges Übel“… in diesem Sinne blieb man/christ dann doch lieber abstinent.

you want a piece of us !

sowas wie uns scheint die welt noch nie gesehen zu haben! die tage vor dem evangelikalen spinnerkongress war das ganze christliche land alamiert! die meldungen überschlugen sich und die massen schrien: alert! alert! die perversen kommen! und sie kommen um uns weh zu tun!
die völlig skurrile vereinigung „Kinder in Gefahr“, die kinder in all ihren beiträgen auf youtube kein einziges mal überhaupt erwähnt, aber dennoch sehr spassig anzusehen ist, suggerierte wir wollten randalieren. wir? wir wollen doch nur spielen… und zwar mit euren brüdern und schwestern und zwar da wo’s gut tut ! sie berichteten von einem “ bundesweiten marsch auf marburg“ der „radiKal homos“ und forderten die „vehemente verurteilung“ unserer machenschaften seitens der politik.
„radikal homos“ – wie klingt das denn?! und wer hätte gedacht, dass unser kleines kaff im vorharz die ganze BRD repräsentiert?
aber egal. wir fordern von der gruppe „kinder in gefahr“ noch mehr videos, die sich mit uns auseinandersetzen! und zwar sofort!

die veranstalterInnen und dozierenden verteidigten ihren „kongress“ durchgehend mit dem verweis auf die „meinungsfreiheit“, die in diesem land noch herrsche. politisch versierte perverse merken sofort die verbindung zu anderen stammtisch parolen, die gerne in diesem ton ihr futter anbieten, wie „das wird man ja noch sagen dürfen“ und dabei rassistische und antisemitische dummheiten rausbratzen.
aber wie weit es mit der meinungsfreiheit her ist, haben wir dann auch gemerkt, als unsere niedlichen 9-sitzer busse von göttingen bis marburg von einem zivi-auto verfolgt und kurz vor marburg angehalten wurde und unsere teilnehmerInnen eine polizeiliche betatschung erfahren durften. wonach gesucht wurde, können wir nicht so genau sagen, aber da unsere anhängerInnen alle durch die bank sexy sind, wollten die polizistInnen sicher mal wissen wie das ist, das gleiche geschlecht auf zärtlich-brutale weise anzufassen.
von polizeilicher repression sprechen die einen, Starkult – unsere diagnose.

die berichtenden fernsehsender zeigten jedenfalls friedliche demonstrantInnen und auch ein sprecher der polizei ließ verwundert verlauten, dass sie verschiedene szenarien durchgespielt hatten, aber zum glück nichts davon eingetreten sei. der obligatorische kessel hat dennoch nicht gefehlt – komisch bei soviel friedlichkeit und meinungsfreiheit…

wir jedenfalls haben gerne an der veranstaltung partizipiert und hatten viel zu lachen und bekamen ein weiteres mal bestätigt, dass wir ein 1 A publikumsmagnet für alle seiten sind.

und zum schluss, wollen wir hiernochmal einen brief öffentlich machen, der uns in all seiner pein und not erreicht hat:

Sehr geehrte Damen und herren,
Ich protestiere gegen Ihre Angriffe gegen die grundgesetzlich garantierte Meinungsfreiheit und beziehe mich hierbei auf die gesamte Marburger Aktion.
Es mag Sie ja stören, dass auf dem Kongress Angebote diskutiert werden, die Ihrem Weltbild widersprechen.
Angebote, die freiwillig (!) angenommen oder abgelehnt werden können. Haben aber Sie je erlebt, dass diese Andersdenkenden Ihnen in die Gestaltung Ihrer Kongresse, Tagungen oder wie auch immer hinein reden ? Deshalb ist es unerträglich, dass Sie solches tun !
Meinungsfreiheit ist immer die Meinungsfreiheit der anders Denkenden !
Ihre Aufrufe gegen völlig friedlich und ohne Indoktrination verlaufenden Veranstaltungen wollen einschüchtern. Sie sind in ihrer Struktur vergleichbar mit NS-Attacken der Jahre 1931 und 1932. Sie sind Hetze ! Der Fundamentalismusvorwurf an dieser Stelle ist, weil er völlig undifferenziert ist, ein Totschlagargument. Er ist peinlich unf dumm. Übrigens könnte man den Spieß bequem umdrehen und mit logisch größerer Berechtigung Ihnen
Fundamentalismus unterstellen ! Wie ich gelesen habe, hat man Gesprächsangebote der Veranstalter bisher abgelehnt. Sucht man die Agitation und kneift vor der sachlichen Auseinandersetzung ? Hat man Angst ? Fürrchten Sie, dass Ihr Feindbild ins Wanken gerät ? Das wäre feige !
Sie wollen fair behandelt werden, Bitte behandeln auch Sie anders Denkende fair ! Ich bin sehr gespannt, ob Sie mir auf diese Mail antworten werden !

MfG
E.D.

war es für euch auch so schön, wie für uns ?

Redebeitrag Demo in Marburg

Redebeitrag zur Demonstration gegen den „Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge“ in Marburg

Werte Homo-Genossinnen und –Genossen.
Liebe Trümmertransen, Kampflesben, Arschpiraten, Intersexen und Emanzen.
Liebe Mitperversen und -perversinnen.

Bei dem momentan stattfindenden „Kongress für Psychotherapie und Seelsorge“ handele es sich NICHT um einen Kongress, der sich inhaltlich gegen die Selbstbestimmung Homosexueller Menschen richtet.
Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel sieht aufgrund dieser Annahme auch keinen Grund, den Kongress abzusagen. Er meint: ZITAT „Sollte es zutreffen, dass Herr Hoffmann und Frau Vonholdt Positionen vertreten, die sich gegen homosexuelle Identitäten und Lebensweisen richten, distanziere ich mich.“ ZITAT ENDE

Wir fordern von Ihnen, Herr Vaupel, allerdings nicht einfach nur, sich von ReferentInnen wie Hoffmann und Vonholdt sowie anderen Gestalten aus der evangelikalen Spinner-Szene, denen hier in Marburg Räume zur Verfügung gestellt werden, zu distanzieren. Wir fordern darüber hinaus, den Kongress komplett zu untersagen.
Zu den von Ihnen genannten ReferentInnen können wir Ihnen hiermit außerdem feierlich verkünden: Sowohl bei Markus Hoffmann als auch bei Christl-Ruth Vonholdt handelt es sich um übergeschnappte pathologische Homosexuellenhasser!
Vonholdt äußerte sich bei einem Interview wie folgt: ZITAT „Die Ursachen für homosexuelle Empfindungen haben mit frühkindlichen, tiefen emotionalen Verwundungen zu tun, mit chronischen Traumata.“ ZITAT ENDE Außerdem würde sich die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit heterosexuellen ihrer Meinung nach ZITAT „auf unsere Kinder und die nächste Generation (…) zerstörerisch auswirken.“ ZITAT ENDE
Markus Hoffmann beschwört dazu gar die christliche Überidentität herauf und sagt ZITAT „Christen müssen sich nicht verstecken, wenn sie mit der These der Veränderbarkeit aufstehen. Denn Veränderung von Homosexualität ist etwas, das in der Realität von Sexualität beobachtet werden kann.“ ZITAT ENDE In seinen Augen sehnt sich jede homosexuelle Person nach einer Stimme, die ihr genug Selbstbewusstsein vermittelt, um ihre Homosexualität zu überwinden.

Michael Gerlach arbeitet bei Wüstenstrom und gehört zu einem der Vorreiter der christlichen Homosexuellenheiler-Bewegung. Er leitet beim Kongress das Seminar „Sexuelle Identitätskonflikte“. Ein Schwuler, der sich ein Jahr lang bei ihm in Therapie befand, berichtete uns davon, dass während seiner Therapie alle seine Probleme auf seine homosexuellen Fantasien zurückgeführt wurden. Ihm wurde verboten, andere TherapeutInnen oder ÄrztInnen aufzusuchen, als er aufgrund der Verschlechterung seines Zustandes danach verlangte. Nach eigener Aussage wird er sich von dem Schaden, der ihm in diesem Jahr bei den Homosexuellenheilern zugeführt wurde, nie wieder richtig erholen können.

Dass solchen Personen wie Gerlach, Vonholdt oder Hoffmann in Marburg ein Sprachrohr geboten wird, muss als Schlag ins Gesicht einer emanzipatorischen Homosexuellenbewegung gewertet werden!
Noch vor 65 Jahren wurden Schwule in Deutschland aufgrund ihrer sexuellen Orientierung umgebracht. Der Paragraph 175 wurde in die zwangsdemokratisierte postfaschistische Gesellschaft übernommen. Bis ins Jahr 1969 wurden unter dem Paragraph 175 Schwule Männer in Zuchthäuser zwangseingeliefert. Erst am 11. Juni 1994 wurde der Paragraph aus dem deutschen Strafgesetzbuch gestrichen.

Vor 19 Jahren, am 17. Mai 1990 wurde Homosexualität von der Weltgesundheitsorganisation von der Liste psychischer Krankheiten gestrichen.
Und hier bietet eine Stadt und Universität homosexuellenfeindlichen Menschen die Möglichkeit, diese späten Errungenschaften zu hinterfragen und gegen sie zu arbeiten!

Homosexuellenfeindlichkeit ist aber auch heute noch lange nicht überwunden, die Vorstellung, in der Deutschland als tolerante und moderne Gesellschaft utopiert wird, verschleiert schlichtweg die Alltagsrealität vieler Schwuler, Lesben, Bisexuellen und Trans*Menschen. Die meisten offen Homosexuellen und Trans*menschen sind im Alltag Beleidigungen, Verspottungen und anderen Formen von Diskriminierungen ausgesetzt. Wie auch in den vorigen Jahren waren unter befragten Homosexuellen in Deutschland im letzten Jahr über ein Drittel betroffen von homophoben körperlichen gewalttätigen Übergriffen. Die verbalen Übergriffe übersteigen dieses Drittel bei Weitem.
Doch nicht nur körperliche und verbale Gewalt muss zu den diskriminierenden Ausformungen einer zutiefst patriarchalen und dadurch homosexuellenfeindlichen Gesellschaft gezählt werden.
Bereits der Schritt, sich als Homosexueller outen zu müssen. Der Zwang, der auferlegt wird, sich durch Begriffe wie schwul oder lesbisch als Randfiguren einer heterosexuellen Gesellschaft auszuweisen, ist als Moment der gesellschaftlichen Unterdrückung nicht-heterosexueller Lebensformen zu bezeichnen.
Die einzige Möglichkeit, sich als Schwuler oder Lesbe gegen diese repressive Form der Stigmatisierung Homosexueller zu stellen, ist in unseren Augen, sich genau diese Kategorien, mit denen wir ausgegrenzt werden sollen, anzueignen und mit lesbischwulem Selbstbewusstsein zu sagen: Wir sind da, ihr könnt uns nicht ignorieren, denn wir schreien: Wir scheissen auf Eure heterosexuellen Normen!

Solange auch nur eine homosexuelle Person noch dem Zwang des Outings gegenüber steht, solange auch nur eine homosexuelle Person mit dummen Anmachen konfrontiert wird, so lange kann der Kampf einer politischen Schwulen- und Lesbenbewegung nicht vorbei sein!

In diesem Sinne sind wir als Radical Homos aus Göttingen heute hier und demonstrieren mit Euch gegen den homosexuellenfeindlichen Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge in Marburg.

Kein Platz für Homosexuellenfeindlichkeit und Sexismus!
Gegen christliche Spinner und Ex-Gay-AktivistInnen!
Für eine emanzipatorische Lesben- und Schwulenbewegung!
Freiheit allen Perversen